Was ist SOL am gyMRiem?
SOL am gyMRiem bedeutet, dass die Schülerinnen und Schüler einen Teil ihrer wöchentlichen Lernzeit selbstverantwortlich gestalten und eigene Schwerpunkte setzen können. Grundlage sind gemeinsame SOL-Materialien für eine Jahrgangsstufe, die in speziellen LernBüros bearbeitet werden können, wo eine Fachlehrkraft zur Unterstützung bereitsteht. SOL am gyMRiem wird hauptsächlich in den Kernfächern umgesetzt, in kleinerem Umfang auch in anderen Fächern. Die Abbildung rechts zeigt ein Beispiel für einen Stundenplan einer 5. Klasse.


Warum SOL?
Die Individualisierung des Lernens rückt zunehmend in den Fokus der Forschung und hält an mehr und mehr Schulen Einzug. Die Gründe dafür sind vielfältig:
- Individualisierungund Umgang mit Heterogenität bzw. Diversität
Individuelle Bedürfnisse, Stärken, Schwächen und Lernvoraussetzungen der einzelnen Schülerinnen und Schüler können besser berücksichtigt werden. Sie lernen in individuellen Geschwindigkeiten anstatt im zeitlichen Gleichschritt von Unterricht und Prüfungen. Außerdem können auch Schwerpunkte gesetzt werden. Ein Kind, das z. B. sehr gut in Mathematik ist, kann sich mehr Zeit für Latein nehmen und umgekehrt. - Verantwortung und Motivation
Die Schülerinnen und Schüler können ihr eigenes Lernen stärker selbst steuern, indem sie eigene Lernwege gehen oder eigene Schwerpunkte setzen. Dadurch erleben sie ihr Lernen als weniger fremdbestimmt, was Eigenverantwortung und Motivation steigert. - Erfolgreiches Lernen
Durch SOL werden sowohl kognitive als auch insbesondere metakognitive Lernstrategien gezielt gefördert, z. B. das Planen, Reflektieren und Bewerten des eigenen Lernens. Diese Strategien sind grundlegend für erfolgreiches Lernen. Ebenfalls rücken durch die steigende Verfügbarkeit von Ablenkungen im digitalen Zeitalter ressourcenbezogene Lernstrategien in den Vordergrund, die die Schülerinnen und Schüler durch SOL schon in der Schule trainieren. - Lebenslanges Lernen
Lernen ist ein Prozess und eine Notwendigkeit, die weit über Schulzeit oder z. B. Studium hinausgeht. Durch SOL erwerben die Schülerinnen und Schüler die dafür nötigen Kompetenzen (Lebenslanges Lernen).
Umsetzung im Schuljahr 2025/26
Räumliche und zeitliche Organisation
Im Schuljahr 2025/26 arbeiten am gyMRiem die Jahrgangsstufen 5-7 mit vier Wochenstunden SOL in den Kernfächern. Dafür geben alle Kernfächer einen Teil ihrer Unterrichtszeit in den „SOL-Topf“. In diesen Stunden können die Schülerinnen und Schüler frei entscheiden, welchem Kernfach sie sich alleine oder mit Mitschülerinnen und Mitschülern widmen wollen. Dabei können individuelle Schwerpunkte gesetzt werden: Lernende, die in Mathe fit sind, aber in Englisch noch Förderbedarf haben, können sich z. B. für ihre Englischaufgaben mehr Zeit nehmen. Fördersprechstunden am Nachmittag, die freiwillig nach Bedarf ohne Vorabanmeldung besucht werden können, runden das Angebot ab. In enger Betreuung durch eine Fachlehrkaft können die Schülerinnen und Schüler so zusätzliche Unterstützung bei der Erledigung der Aufgaben oder bei individuellen Fragen erhalten.
Eine SOL-Einheit beginnt mit der Anwesenheitskontrolle im Klassenverbund in unserer SOL-Etage. Je nachdem, welche Fachinhalte die Lernenden bearbeiten wollen, besuchen sie anschließend ein Lernbüro ihrer Wahl.
In jedem LernBüro steht eine Fachlehrkraft unterstützend zur Seite, es liegen Schallschutzkopfhörer, Bücher, fachspezifische Lernmaterialien (z. B. Vokabelkarten) und ein Ordner mit den Musterlösungen zur Selbstkontrolle bereit. Lernende, die sich durch ein Punktesystem bereits als rücksichtsvoll und engagiert bewiesen haben, dürfen zudem im offenen LernRaum in der Mitte lernen. Für Lernende, die eine besonders ruhige Umgebung und engere Begleitung wünschen, steht ein betreuter Silentiumraum bereit, in dem alle Fächer bearbeitet werden können.
In einem speziell für SOL gestalteten Logbuch halten die Schülerinnen und Schüler zum Ende jeder SOL-Stunde ihre Lernfortschritte fest und reflektieren diese knapp, wodurch die oben angesprochenen metakognitiven Strategien gefördert werden. Das Logbuch dient auch als Grundlage für die individuellen Beratungsgespräche mit unseren Lerncoaches.
Die Nicht-Kernfächer (z. B. Geografie, Musik) bringen sich in „Epochen“ von insgesamt sechs Wochen pro Schuljahr in das SOL-Konzept ein. So wird sichergestellt, dass die Lernenden zum einen in der Organisation ihres Lernens nicht überfordert werden, andererseits jedoch in allen Fächern (Ausnahme: Sport) selbstorganisiert lernen können, wodurch der Transfer von Lernstrategien auf unterschiedliche Inhalte ermöglicht wird.
Anders als in den Kernfächern finden SOL-Stunden in den Nicht-Kernfächern im Klassenverband bei der jeweils eigenen Fachlehrkraft im Fachlehrraum statt. SOL-Aufgaben können so gestaltet werden, dass kleine Projekte entstehen, an denen die Lernenden in Teams arbeiten.
In den Jahrgangsstufen 8 und 9 arbeiten die Schülerinnen und Schüler in allen Fächern in „SOL-Epochen“ ohne Auflösen des Klassenverbands, hier gibt es aktuell kein „Topf-SOL“.


Materialien
Die SOL-Materialien werden sowohl in den Kernfächern als auch in den Nicht-Kernfächern im Jahrgangsstufenteam erstellt. So kennen alle betreuenden Lehrkräfte die Materialien und können die Lernenden gezielt unterstützen. Gleichzeitig stärkt die Erarbeitung im Team die Qualität der Materialien und gewährleistet, dass alle Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe bis zum Ende des Schuljahres dieselben Aufgaben bearbeitet haben. Die Materialien in den Kernfächern für das „Topf-SOL“ liegen in der SOL-Etage jederzeit frei zugänglich aus und sind zusätzlich über ByCS-Drive inklusive der Musterlösungen auch digital verfügbar. Die SOL-Aufgaben müssen im vorgegebenen Zeitraum erledigt und bei Krankheit nachgeholt werden.
Durch die bereits vorhandenen iPad-Koffer in der SOL-Etage und durch Regeln für „Bring your own Device“ werden in SOL zunehmend auch digitale Materialien zur Verfügung gestellt, die z. B. durch einen QR-Code abgerufen werden können. Besonders durch den Einsatz der Lernplattform sowie weiterer Angebote der BayernCloud Schule können individualisierte Lernpfade, z. B. durch gestaffelte Hilfestellungen und Erklärvideos, ressourcensparend umgesetzt werden sowie fächerübergreifend digitale Kompetenzen trainiert werden.

Kontrolle
Die SOL-Aufgaben werden vor allem durch die Schülerinnen und Schüler selbstständig anhand von ausführlichen Musterlösungen kontrolliert, was unter anderem auch die Kompetenz des Bewertens der eigenen Lernleistung trainiert. Die Musterlösungen stehen analog in einem Ordner im jeweiligen Lernbüro sowie digital über die BayernCloud Schule zur Verfügung.
In Kombination mit SOL erproben wir alternative Prüfungsformate wie z. B. Gelingensnachweise zur Lernzielkontrolle. Diese finden nicht für alle Lernenden am gleichen, vorgegebenen Zeitpunkt statt. Denn zu diesen kurzen Tests können sich Schülerinnen und Schüler anmelden, wenn sie sich für einen bestimmten Themenblock fit fühlen. Zur Verbesserung der Note kann er teilweise sogar wiederholt werden.

Einführung neuer Lehrkräfte und Weiterentwicklung des Konzepts
Onboarding neuer Kolleginnen und Kollegen
Neue Kolleginnen und Kollegen erhalten zum Einstieg in das für sie noch unbekannte System eine Einführung und hospitieren nach Möglichkeit vorab. Sie erhalten eine Einführung in die Gründe für die Umsetzung von SOL, den genauen Ablauf einer SOL-Einheit, ihre Rolle als Lehrkraft und ihre Aufgaben. Eine kurze Checkliste für die ersten SOL-Einheiten gibt ihnen zusätzliche Sicherheit, sich in den neuen Abläufen zurechtzufinden. Über ihre Jahrgangsstufenteams der jeweiligen Fächer werden neue Kolleginnen und Kollegen schrittweise und kollegial auch in die Materialerstellung eingeführt.
Weiterentwicklung des Konzepts
Die Lernenden und Lehrkräfte erhalten u. a. durch Evaluationen auf der Lernplattform die Möglichkeit, Feedback zu geben. Ebenfalls finden unter Mitwirkung des Elternbeirats anonyme Umfragen in der Elternschaft statt, die gemeinsam mit dem Arbeitskreis SOL der Schule ausgewertet werden. Die Ergebnisse dieser Rückmeldungen werden kontinuierlich dazu genutzt, in der Arbeitsgruppe das Konzept weiterzuentwickeln. Zu den Treffen dieser Arbeitsgruppe sind neben Schulleitung, Lehrkräften und dem Elternbeirat auch Schülerinnen und Schüler eingeladen, deren Erfahrungen und Meinungen bei der weiteren Planung und Organisation sehr wichtig sind.
gyMRiem im April 2026

